„Unvergessenes Musikerlebnis“

KIELER NACHRICHTEN VON WERNER BODENDORFF

252. Plöner Schlosskonzert: 
Donnernder Applaus für das Bonnard Trio

Plön – „Das war mehr als nur Ersatz“ – äußerte sich Roland Reche begeistert über die drei Künstler, die für das wegen Krankheit abgesagte Violin-Klavierduo Laurent Albrecht Breuninger und Thomas Duis äußerst kurzfristig eingesprungen waren, und er sprach damit aus, was sicherlich viele Zuhörer ebenso dachten. Das 252. Schlosskonzert in der Alten Schwimmhalle avancierte mit dem erst 2004 gegründeten, relativ unbekannten Bonnard Trio zu einem unvergessenen Musikerlebnis der Sonderklasse. Mit Joseph Haydns Trio in E-Dur Hob. XV Nr. 28 begannen Olena Kushpler (Klavier), Hovhannes Baghdasaryan (Violine) sowie Mikhail Tolpygo (Violoncello) mit einem zarten, liebenswürdigen Interpretationsstil, der in seiner noch abwartenden Bescheidenheit jedoch sogleich überzeugte. Einschmeichelnd-empfindsam und zärtlich behandelte Olena Kushpler das generalüberholte, nun wieder volltönende Klavier mit „butterweichem“ Anschlag. Innig musizierten die beiden jungen Streicher im ständigen Kontakt zur Pianistin und erzeugten in ihrer genügsamen Haltung ein Höchstmaß an musikalischer Entfaltung. Das introvertierte Klangbild kam dem für Haydn außergewöhnlichen und manchmal modern anmutenden Werk sehr entgegen, das sich jedoch bei dem Trio in C-Dur op. 87 von Johannes Brahms hin zum romantisch Geheimnisvollen öffnete. Hier durften die Zuhörer sich schon in leise Vorahnungen wähnen, was sich langsam ankündigte. Bei aller Zurücknahme brachte das sympatische Ensemble Satz für Satz aber nicht übertrieben ausdrucksvoll, homogen mit viel sanfter und farbenreicher Wärme zu Gehör.

Ihr vulkanisches Wesen zeigten die drei jungen Künstler aber in Dmitri Schostakowitschs berühmten Klaviertrio op. 67. Atemlose Stille herrschte von Beginn an, als Mikhail Tolpygo am Violoncello in höchster Flageolettlage das erste Thema intonierte und dieses eine Etage tiefer bald darauf Hovhannes Baghdasaryan mit seiner Violine übernahm und sich mit Einsatz des Klaviers im ersten Satz eine emotionsgeladene Gewitterstimmung aufbaute. Beim darauffolgenden energiereichen, wilden Satz drehten die drei ihr Spiel so richtig zu einer knisternden Hochspannung auf. Nach der leidvollen Passacaglia mit einer zwischen den beiden Streichinstrumenten dialogisch angelegten Melodie von feierlich-jenseitiger Schönheit folgte der lamentoartige Satz mit jüdischen Volksmusik- Themen, in welchen Schostakowitsch die verborgene Verzweiflung der Juden hineinzukomponieren versuchte.

Diese Umsetzung durch das Bonnard Trio gestaltete sich mit bestürzender Betroffenheit, so dass nach dem Ausklingen der Musik sekundenlange Lähmung entstand. Erst spät brach donnernd der verdiente Applaus aus und die drei spielten zum Abschluss einen beruhigenden Abschnitt aus dem Dumky-Trio von Antonín Dovrák.